SARS-CoV-2 Übertragungswege

Tröpfcheninfektion/ Aerosole

Beim Ausatmen und Sprechen mehr noch beim Husten, Singen und Niesen entstehen größere bis zu sehr kleinen Tröpfchen in denen infektiöse SARS-CoV-2 nachgewiesen werden konnten. Insbesondere beim Husten und Niesen können sich diese über mehrere Meter in der Umgebung ausbreiten. Während größere Tröpfchen rasch zu Boden sinken können sich die sehr kleinen Aerosole lange in der (Raum-) Luft halten. Eine Ansteckung kann über das Einatmen solcher virushaltiger Tröpfchen erfolgen und scheint gemäß einer Vielzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen ein Hauptansteckungsweg (insbesondere in geschlossenen Räumen) zu sein, obwohl es auch Arbeiten gibt, die dies teilweise in Frage stellen (insbesondere für den Aufenthalt im Freien).

Schmierinfektion/Kontaktübertragung

Ein weiterer Übertragungsweg ist die Aufnahme virushaltiger Partikel durch das Berühren zum Beispiel mit Speichel kontaminierter Oberflächen. Unter Laborbedingungen konnte gezeigt werden, dass SARS-CoV-2 über Stunden bis wenige Tage auf verschiedenen Oberflächen wie Kunststoff, Glas oder Metall erhalten und ansteckend bleiben können.  Neuere Studien belegen, dass ein größerer Anteil der COVID-19 Patienten unter Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall leiden. Entsprechend wurden in Stuhlproben infektiöse Viren identifiziert auch dann noch, wenn der Rachenabstrich bereits negativ war. So genannte fäkal-orale Schmierinfektionen sind somit nicht auszuschließen. Auch im Urin infizierter Patienten konnten SARS-CoV-2 nachgewiesen werden.

Übertragung durch Nahrungsmittel

Kürzlich erschien in den chinesische Medien die Nachricht, dass sich ein Arbeiter an einer aus Deutschland infizierten Schweinekeule infiziert hätte. Bislang liegen jedoch keine wissenschaftlichen Belege für eine Übertragung durch kontaminierte Nahrungsmittel vor.

Sexuelle Übertragung

Aus dem oben genannten ergibt sich schon indirekt, dass eine Übertragung beim Sex möglich ist. Darüber hinaus ist bekannt, dass der Hoden von der COVID-19 Erkrankung mit betroffen ist und dadurch die Spermienbildung beeinträchtigt werden kann. Weitere Untersuchungen sind nötig, um die Bedeutung einer sexuellen Übertragung für die Virusausbreitung abzuschätzen.

Übertragung von der Schwangeren oder stillenden Mutter auf ihr Kind

Einige Studien haben Hinweise ergeben, dass eine Übertragung von einer erkrankten Mutter auf ihr Kind sowohl vorgeburtlich als auch während der Geburt möglich sein könnte. Allerdings sind die bislang untersuchten Fallzahlen so klein, dass eine abschließende Beurteilung noch nicht möglich ist. Gleiches gilt für die Übertragung über die Muttermilch.

Wie ansteckend ist SARS-CoV-2?

Ein Maß hierfür ist unter anderem die Reproduktionszahl R. Sie gibt an, wie viele andere Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Zu Beginn der Ausbreitung in Deutschland, als noch keine Gegenmaßnahmen ergriffen worden waren, lag dieser Wert für SARS-CoV-2 bei ca. 3,5. Seit Einführung von Vorsichts- und Hygienemaßnahmen wie Verminderung der Sozialkontakte, Abstand halten oder Mund-Nasen-Bedeckung hat sich R auf Werte um die 1 reduziert. Zum Vergleich: die Reproduktionszahl der Influenza liegt bei 1-2, die von Masern bei 12-18.

Aktuelle Literatur z.B.

Coronavirus COVID- 19: a critical review of its history, pathogenesis, Transmission, Diagnosis and Treatment. Mohd Sharjeel Sofia, Aadil Hamida, Sami Ullah Bhata, Biosafety & health 2020 Nov 8
Prevalence, Mechanisms, and Implications of Gastrointestinal Symptoms in COVID-19. Perisetti A, Goyal H, Gajendran M, Boregowda U, Mann R, Sharma N.Front Med (Lausanne). 2020 Oct 30
A systemic review of vertical transmission possibility in pregnant women with coronavirus disease 2019-positive status. AlQahtani MA, AlDajani SM.J Family Med Prim Care. 2020 Sep 30;9(9):4521-4525.

© PD Dr. med. Oliver Kretz